Heilige Kühe
Die Globale Erwärmung ist unser Freund.
Worin soll das Problem bestehen, wenn ein paar Inseln ein paar Jahre früher absaufen, als sie es ohnehin täten? Gut, schade um die Südsee, da geht’s um einige nette Ecken. Aber Sylt? Das lasse ich doch lieber heute als morgen von der Landkarte putzen.
Alles eine Frage der Prioritäten.
Also, warum ist die Globale Erwärmung unser Freund? Weil sie viele wenigstens mal dazu bringt, sich Gedanken über Probleme zu machen.
Jetzt muss man nur noch dran arbeiten, über welche sie nachdenken
16. Dez 2007 | 15:19 Uhr
Besonders interessant das Heranziehen der Globalen Erwärmung als Grund, auf einer vielbefahrenen Autobahn ein Tempolimit von 100km/h einzuführen.
Glücklicherweise hatte das keinen Bestand. Ich glaube auch nicht daran, dass die Leute zum Klimaschutz beitragen, wenn sie am Ende der Begrenzung – imwahrsten Sinne des Wortes – einen Gang zurückschalten, um so richtig Gas zu geben.
Und ich bin gespannt, wie lange es dauern kann, bis mein Stromanbieter seinen überteuerten “Clever-Spartarif” in ein Klimaschutz-kompatibles “Öko-Klimaschutz-Tarif” umbenennt…
16. Dez 2007 | 15:43 Uhr
Mir ist die Südsee auch wurscht, genau so wie Sylt. Die Klimaerwärmung aber noch lange nicht. Nur weil sie Sylt und Südsee absaufen lässt, ist die Klimaerwärmung aber auch noch lange nicht mein Freubnd. Und als “heilige Kuh” würde ich das Thema Klimaerwärmung auch nicht bezeichnen – dafür gibt es zu viele Menschen denen es scheißegal ist ob sie oder ihr Nachbar ein oder zwei Autos fahren, am Besten noch einen dieser völlig blödsinnigen SUVs.
Die Klimaerwärmung ist schlicht und ergreifend ein Problem das uns in naher Zukunft alle direkt oder indirekt betreffen wird. Ob es nur die Malaria ist, die von Afrika jedes Jahr ein bisschen weiter zu uns in den Norden wandert. Oder andere Auswirkungen z.B. ökonomischer Natur, wenn wir irgendwann für die Paprika das vierfache Zahlen müssen weil das Wasser so teuer geworden ist, dass sei ma dahingestellt (auf stetig steigende Energiepreise könnte ich hier übrigens auch verweisen).
Ich glaube auch nicht das der Klimawandel die Menschen anders denken lässt (wie^oben angeklungen, also z.B. vernünftiger, altruistischer oder wie auch immer). Wenn Verfasser des Blogeintrags aber im ernst glaubst, dass die Gesetzgeber (z.B. bei der Klimaklonferenz in Bali) sich über wirklich brennende Fragen und Probleme, die alle Menschen auf diesem Planeten betreffen den Kopf zerbrechen, dann ist er leider ein unverbesserlicher Idealist.
Ich könnte jetzt auf ein paar Links verweisen, die die Verhandlungen in Bali zum Thema haben, aber wir sind ja selber groß und wissen wie Google funktioniert – so viel sei aber gesagt: das Weiße Haus rudert beim kürzlich erlangten Kompromiss schon wieder zurück! Die Sache über die sich bestimmt alle Unterhändler in Bali den Kopf zerbrochen haben, ist das eigene Interesse, der eigene Profit, der eigen Outcome (um das mal flapsig auszudrücken!), und in der Hinsicht machen alle Menschen sich doch andauernd Gedanken. Sinnvoll wäre, wenn der Eine oder Andere endlich begreifen würden, dass es nur in seinem eigenen Interesse liegen kann das Problem Klimawandel zu lösen.
Ein Idealist scheint der Verfasser dieses Blogeintrags aber auch nicht zu sein – eher jemand, dem der Klimawandel egal zu sein scheint. Aber eine mir-ist-derKlimawandel-Sylt-und-Südsee-scheißegal-Einstellung kann und darf man meiner Ansicht nach zu diesem Thema nicht haben. Vor allem nicht dann, wenn man darüber im Internet bloggt! Wenn es einem wirklich egal ist, braucht man nämlich auch keinen Blogeintrag darüber zu erstellen.
16. Dez 2007 | 16:37 Uhr
btw.: Ich glaube Bjorn Lomborg setzt in seinem Aufsatz die falschen Prioritäten! Die Dinge die er aufzählt können irgendwie gebremst und verändert werden. Beim Klimawandel ist das ab einem gewißen Punkt nicht mehr der Fall!
Außerdem: HIV hat nicht jeder, deshalb ist es auch nicht jedermanns Problem. Genau so ist es auch beim Hunger in der Welt.
Lange Rede … das Klima betrifft uns alle.
17. Dez 2007 | 10:08 Uhr
“Ding” – Runde 2
Jetzt auf irgend ein einzelnen Treffen oder Abkommen zu gehen (Kyoto, Bali oder wo auch immer sonst viele Worte gefallen sind und wenig Konkretes passiert ist) wäre müßig. Dort Treffen sich Politiker – von denen kann man ja viel erwarten, aber keine Problemlösugen, dafür bräuchte man einen Blick auf die Realität, der in dieser Gruppe nicht ohne weiteres unterstellt werden kann.
Malaria ist ein gutes Stichwort! Wollte ich nämlich selbst als Argument nehmen. Denn: Einig sind wir uns ja soweit, dass malaria ein Problem ist. Im Gegensatz zur Globalen Erwärmung ist die malaria aer ein problem, das einige Vorteile hat.
1. Die Leute sind sich einig, dass es Malaria gibt. Klingt banal, hilft aber ungemein, wenns es darum geht, etwas dagegen zu tun.
2. Bei der Malaria ist bekannt, wo sie herkommt. Klar, eine Krankheit hat in der Regel eine Ursache, einen Erreger. Die Temperatur der Atmosphäre hat mehr als einen Faktor, daher ist sie auch nicht so gut in einem Modell zu fassen, was auch die Beeinflussung etwas schwieriger (sprich: teurer) macht.
3. Bei Malaria ist recht bekannt, was man dagegen tun kann. Schlafnetze, Medikamente und sauberes Wasser. Recht simpel, stellt aber viele gegenden immer noch vor genug probleme.
4. Malaria ist also ein Problem der Gruppe “Bekannt, bekämpfbar und bezahlbar”. Bevor ich mich also auf die Brocken stürze, die zu schwer für mich sind kümmere ich mich doch erstmal um die Bröckchen, bei denen ich Geld und Engagement sinnvoller einsetzen kann. Sprich: wenn ich die Wahl habe, eine Krankheit auszurotten (siehe Pocken), oder mich um ein Phänomen zu kümmern, das ohnehin kommt, jetzt halt etwas früher als ohne menschliches Mittun, und bei dem absolut unklar ist, ob das, was für viel Geld getan wird, überhaupt etwas verändert, na dann ist für mich die Sache klar.
Da ist mir sogar egal, ob die Malaria wegen der Globalen erwärmung immer weiter in unsere Richtung kommt – wenn man sie besiegt kann sie nicht mehr kommen – und die Leute, die dann nicht mehr durch sie gefärdet wären, würden das glaube ich auch ganz gut finden.
Mir ist die Globale Erwärmung nicht egal. Ich bin verärgert über den Konsens, der darin zu bestehen scheint, dass man alles tun muss, um hier etwas verändern zu können. Dadurch wird den anderen, kleineren, lösbareren Problemen die Unterstützug genommen. Sobald irgendeine Maßnahme das Siegel “Klimaschutz” trägt sollen alle mit großen Augen “Oooh, na klar, macht Sinn” sagen und wenn am Ende doch nix außer Geldverbrennen rauskommt lag es halt am Modell, dass noch nicht in allen Details dargestellt hat, welche Zusammenhänge bestehen. Pfft. Dann doch lieber was regeln, bei dem sicher ist, dass ein Resultat bei rauskommt.
Und sich hinzustellen und zu sagen: “Hey, AIDS hat nicht jeder, Hunger auch nicht, also sind das die weniger wichtigen Probleme, denn wärmer wirds für alle!” dann sage ich: Hey, wenns hier ein bischen wärmer wird habe ich gar kein Problem damit. Dann ist die Temperaturerhöhung ja auf einmal gut für den Umweltschutz, denn wenn die Ananas hier wächst muss sie nicht mehr eingeflogen werden. Wenn Hunger und Krankheiten “nur” Probleme anderer Leute sind dann auch die Folgen der Globalen Erwärmung, denn hier wird es dadurch erstmal eins: etwas kuschliger.
Ich denke halt, bei nem Brocken wie der Globalen Erwärmung wäre es sinnvoller, die Folgen beherrschbar zu machen als gleich das gesamte Klima ummodeln zu wollen. Kleinere Schritte halt, und die einen nach dem anderen, und nicht die dringenderen Probleme auszutrocknen.
Und wie immer stellt sich auch beim Klimawandel, beziehungsweise dem “Kampf” dagegen, die Frage: qui bono? Wem nutzt es? Und dass Klimaschutz ein großes Thema ist, seit sich bei den Beraterfirmen der Insustrienationen der Gedanke breit gemacht hat, dass man damit einen dicken Haufen Asche verdienen kann. Wer bezahlt denn die Investitionen, die Energiefirmen in CO2-ärmere Energiegewinnung machen? Wie hoch ist denn der Umfang der Subventionen, die in Windkraft gepustet werden? Seit festgestellt wurde, dass Klimaschutz auch eine Methode sein kann, um das Geld in die bewährte Richtung zu verschieben, springen immer mehr Industrienationen auf den Zug auf und fordern die Entwicklungsländer auf, sich am Klimaschutz zu beteiligen, und dazu natürlich de Techniken der Industrienationen einzusetzen.
Solange Klimaschutz eine Sache von besorgten Leuten war, die von der Sache überzeugt waren, konnte man ja noch Sympathien dafür aufbringen. Aber jetzt ist es nur noch ein Teil des marktes, eine Investitionschance und eine weitere Möglichkeit, Druck aufzubauen. Das Spiel von Geld und Macht, und diesmal sogar mit einer ethischen Verstärkung! Sauber…
Die Idealistenkappe ziehe ich mir diesmal nicht so leicht über!
17. Dez 2007 | 11:22 Uhr
Warum glaubt eigentlich alle Welt, dass Deutschland alleine was bewegen kann? Die Auswirkungen jeglicher Massnahmen in .de dürften schon angesichts des wirtschaftlichen Aufschwungs in China oder der unendlichen Weite der restlichen Welt eher Makulatur bleiben
17. Dez 2007 | 11:26 Uhr
Geht ja nicht darum, was zu verändern, sondern nur, dem eigenen Gewissen vorzugaukeln, man würde etwas tun.
17. Dez 2007 | 18:15 Uhr
Ganz allgemein gesprochen ist mir subventionierte “saubere” Energie deutlich lieber als subventionierte Kohle- oder Atomkraftwerke. Erst durch Subventionen können erneuerbare Energien überhaupt im Wettbewerb gegen abgeschribene Kohle- und Atomkraftwerke Wettbewerbsfähig werden. Außerdem wurde die Kohle- und die Atomenergie selber Jahrzehntelang subventioniert und ist erst dadurch billig geworden. Dazu kommt, das erneuerbare Energien werden im Vergleich zu fossilen Energieträgern langfristig die billigere Alternative sein.
Darüberhinaus hat die erneuerbare Energienbranche in D schon über 250.000 Arbeitsplätze geschaffen, und dass obwohl erneuerbare Energien gerade mal 4-5 % des Stroms hierzulande erzeugen (in der Atombranche arbeiten wenn ich mich nicht täusche, gerade mal 40.000 Menschen). Schon jetzt verbraucht die Windradindustrie in D mehr Stahl als die deutschen Schiffsbauer.
Sollten sich erneuerbare Energien weltweit durchsetzen, könnten viele Probleme auf unserem Erdenrund gleichzeitig gelöst werden:
- weniger Konflikte um Ressourcen
- das Klima wwürde sich wohl wieder verbessern
- Energie wäre bezahlbar für alle
- die abgelegendsten Stellen auf der Welt könnten versorgt werden, da ein Windrad das ne Klinik mit Strom versorgt, auch im malariaverseuchten Dschungel stehen kann
ergo: Alle haben was davon! Arme und reiche Länder und Menschen. (Ich könnte das jetzt ewig weiter ausführen, deshalb muss diese verkürzte Argumentation reichen.)
Nur noch am Rand: bei erneuerbaren Energien darf man ein gutes Gewissen haben!
28. Dez 2007 | 13:41 Uhr
[...] in ihren von der Lobby bezahlten Mercedes einzusteigen und mit 20L/100km Verbrauch und den Klimaschutz im Gewissen gen Sonnenuntergang zu [...]