Web2.0 bedeutet: Jeder Idiot darf Journalist werden
Ein wundervoller Satz, den ich hier mal aufgreifen möchte. Das schöne an der “Demokratie” des Internets und insbesondere des so genannten Web2.0 Hypes ist ja, dass jeder Idiot – und das meint litteral jeden – Journalist werden und seinen Schwachsinn in den Äther blasen kann.
Jeder, der in diesem Artikel zitierten dummen Verbraucher, kann heutzutage seine Meinung so gut wie ungefiltert im Internet abladen und die Öffentlichkeit damit belästigen. Die je nach Form der Web2.0 Ausprägung mehr oder minder anonyme Leserschaft wird im Anschluss schon dafür sorgen, dass eine etwaige Diskussion, den zumeist sowieso geringen inhaltlichen Gehalt der Aussage durch die auf Stammtisch-Niveau geführten Ausführungen und Beleidigungen nihiliert werden.
Und was bedeutet dies alles für die breite Masse? Genau! Einen unüberwindbaren Wust an inhalts- und belanglosen Informationen, die schlecht recherchiert und völlig autonom auf den geneigten Leser hereinbrechen, der nicht mehr durch das Dickicht blicken kann, um zu der mediengesteuerten, allgemein gültigen Meinung zu gelangen.
Und so betrachten professionelle Journalisten den Erfolg des autonomen Mediums Internet und den Web2.0 Hype mit Argwohn und beklagen die Informationslosigkeit der Moderne trotz ungestümer Flut.
O tempora, o mores!
04. Jan 2008 | 18:32 Uhr
Auf die “Profis” kann man sich aber auch nicht verlassen. Vielmehr werden wird von den Medien professionel verdummt!
Wenn dir das lieber ist, bitte.
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/26/26857/1.html
04. Jan 2008 | 18:45 Uhr
Du bist also ehrlich der Meinung, dass die grosse, meist inhaltslose Informationsflut der Neuzeit besser als die zielgerichtete, manipulierende Medienberichtserstattung einiger weniger, monopolistisch anmutender Groß-Konzerne ist?
04. Jan 2008 | 21:04 Uhr
Der Journalismus hat seine Zeit gebraucht, bis er seine Techniken entwickelt hat.
In einem neuen Medium dauert es auch seine Zeit, bis das Gesamtniveau ansteigt. Warum haben wir in Deutschland Weltklasse Fußballspieler und Weltklasse Handballer, weil es Millionen spielen
Laßt Millionen bloggen und die Besten werden dabei sein.
04. Jan 2008 | 21:17 Uhr
Ziemlich negative Sichtweise, die Du hier über Blogger verbreitest. Schau mal bei mir vorbei, da habe ich das Problem genau von der entgegengesetzten Seite her beleuchtet:
http://mikimerki.blog.de/2007/.....en~1591269
04. Jan 2008 | 21:34 Uhr
Hübsche Selbstkritik!
04. Jan 2008 | 22:11 Uhr
Es ist eben so, dass früher nur ein kleiner Teil Blogs geschrieben hatte und zu einem großen Teil noch etwas zu sagen hatte, heute schreibt jeder Blogs. Dabei ist es nicht einmal die ungefilterte Stammtischmeinung (die ja auch Interessant ist, weil man so weiß, was in den Hirnen einiger vorgeht) sondern wie auch schon genannt belangloses.
Man will einen Blog führen aber es soll um Himmels Willen keine Arbeit machen.
In ein Thema reinarbeiten zu dem man etwas schreibt? BLOSS NICHT! Was fürn Stress aber auch.
Aber was hindert dich daran, wie beim schlechten TV-Programm weiterzuschalten, auszuschalten, klüger nach vernünftigen Inhalten zu suchen?
Und wenn eine Meute kommentiert und sich um Belanglosigkeiten kümmert.. lass sie und kümmer du dich nicht auch drum.
Stanislaw Lem hat schon klug vorausgesagt (keine Ahnung welches Buch… Technologiefalle? Ortstermin?) dass der Mensch eines Tages ertrinken wird und es nur noch auf das Filtern ankommt.
Ich bilde mir ein, dass ich mich in Themen reinarbeite und das kann schonmal bis über 1-2 Wochen dauern. Allerdings verlangen wohl viele Stammlese, grad von Blogs, dass man alle zwei Tage etwas zusammenschreiben soll.
So kommt zwangläufig viel Belangloses dabei herum. Spreeblick ist ein Beispiel. Die Autoren geben sich Mühe, sind sicher nicht doof aber Belangloses bleibt nicht aus.
Aber nunja, der klassische Journalismus ist auch nicht besser. Spiegel oder gar der grässliche Focus sind um einiges schlimmer. Bliebe noch die Zeit, die aber auch öfters schon Dinge auf dem Titel hatte, die wohl einen Kurzschluss im Hirn auslösen sollten.
04. Jan 2008 | 22:59 Uhr
Und ich bleibe dabei: das Gesamtniveau der Blogosphäre wird nicht steigen. Meiner Ansicht nach wird es weiter sinken, denn es werden immer mehr (dumme) Menschen die Bloggerei für sich entdecken.
Ich kümmere mich auch nicht um die Belanglosigkeit oder Inhaltslosigkeit an sich, sondern viel mehr um den Effekt, den diese für die breite Masse mitbringen: noch weniger gehaltvolle Information, noch weniger wichtige Informationen und dafür mehr Paris Hilton etc.
Stammtischmeinung kann interessant sein, ja. Aber was ist, wenn es irgendwann auch für die intelligenten Menschen zu schwierig wird, um die wirklich “wahren” und “guten” Informationen aus dem Meer der Belanglosigkeit zu fischen?
04. Jan 2008 | 23:14 Uhr
Die Journalismus-Qualität hat sich mit dem Blogs bestimmt nicht verbessert, allerdings findet man in Top-Blogs ausgezeichnete Informationen, die man sonst nirgends findet.
In den etablierten Medien wird auch viel Falsches und viele Halbwahrheiten verbreitet.
04. Jan 2008 | 23:52 Uhr
OK, diesmal geh ich vielleicht wirklich idealistisch an die Sache ran, aber ich vertrau da auf einen bewährten Mechanismus: die Evolution. Sagen wir besser: Selektion.
Wenn das inhaltliche oder methodischt Niveau der Gesamtheit der Blogs (Bloggosphäre… wasn Schwachsinn… als ob alle bloggs zusammen eine Kugel wären und die Metapher irgendwas aussagen würde… Drecksidiom
) sich in irgendeine Richtung entwickeln wird, dann in die, die von der Mehrheit der Leser bevorzugt wird. Markt, basta.
Aber welchen Sinn hat so ne Aussage überhaupt? Wer interessiert sich für das Niveau der Gesamtheit einer beliebigen Publikationsform? Bücher: gibt so ne und so ne. Zeitungen: nach jedem Gusto. Filme: dito. Warum sollten Blogs denn in irgend etwas außer der Erscheinungsform einander ähnlich sein?
Also, auch wenn immer mehr Müll mit rauskommt, übrig bleiben wird nur, was seine Liebhaber hat. Wenn ein Blog geschrieben wird ohne dass es jemand interessiert, ist das wie das Geräusch vom Baum, der im leeren Wald umfällt: egal.
05. Jan 2008 | 00:08 Uhr
egal: vielleicht, existent:ja…und die von Dir zitierte Evolution hat uns so wunderbare Formen der medialen Verwirklichung beschert wie:
“Geiz ist geil” oder “Ich bin doch nicht blöd”
05. Jan 2008 | 01:32 Uhr
aber es ist doch nicht nur die flut an belanglosen infos…auch diese informationsschwärme, die von den so genannten “top-blogs” ausgehen, ersticken. es wird immer schwieriger, die für einen selbst wichtigen neuigkeiten herauszufischen.
05. Jan 2008 | 12:57 Uhr
die von Dir zitierte Evolution hat uns so wunderbare Formen der medialen Verwirklichung beschert wie: “Geiz ist geil” oder “Ich bin doch nicht blöd”
Das sind Werbeslogans, die haben von Natur aus ne kurze Halbwertszeit. Und “Geiz ist geil” hat zwar ca 80% der Zuschauer totgenervt, die anderen 20% aber in die Läden getrieben – und das sit alles was interessiert. Sobald klar war, das der Nervfaktor zu groß wird wurde der Slogan auch schön schnell eingestampft. Aber wie gesagt, das ist Werbung, die ist eh was für Hirntote.
05. Jan 2008 | 17:13 Uhr
eh..was heisst eingestampft? die slogans werden auch heute noch verwendet – und sie funktionieren.
05. Jan 2008 | 19:19 Uhr
nope, “Geiz ist geil” läuft schon ne Weile nicht mehr, seit August oder so
07. Jan 2008 | 22:53 Uhr
[...] zwei Tagen hatte ich mich ja über Blogger und professionelle Journalisten ausgelassen…und heute sehe ich diesen wunderbaren Rechtschreibfehler bei der Tagesschau. Ich [...]
08. Jan 2008 | 12:26 Uhr
Ich glaube nicht das sich das Internet, oder vielmehr sein Inhalt, dadurch qualitativ verschlechetert, daß mittlerweile jeder seine Meinung veröffentlichen kann. Schlechten Inhalt in schöner Verpackung, gibt es überall. Wichtig ist zu wissen, wie man das Gesuchte vom Unwichtigen unterscheidet.
Außerdem sind die Unterschiede von Internetbloggern und Journalisten immer noch viel zu zahlreich, als das daß Hobby von vielen den Beruf einiger, ersetzen könnte. Blogger veröffentlichen meistens nur ihre eigene Meinung zum Zeitgeschehen in Form von Kommentaren. Der Journalist dagegen, berichtet das Zeitgeschehen, 0hne seine eigene Meinung miteinzubringen. Deshalb unterscheiden sich auch die Informationen die Blogger und Journalisten liefern meist stark.
Für den Konsument stellt sich daher die immerselbe Frage, was er gerne haben will.
Das es gute informative (oft von Journalisten geschriebene) Blogs gibt, steht außer Frage. Das es schlechten Journalismus gibt, ist genauso wenig verwunderlich. Das wir in der Zukunft der immer stärker wachsenden Angebote, noch genauer suchen müßen, wenn wir was bestimmtes wollen ist auch klar. Aber auch die Chance genau das zu finden was wir suchen, wird durch das wachsende Angebot steigen.
PS: Nur weil bei der Tagesschau ein Schreibfehler zu finden war, müßen das noch lange keine schlechten Journalisten sein.
PPS: Pedanten haben mit meiner Kommasetzung auch Probleme.